Tessin: Kollision Hubschrauber und Drohne

Ich versuche mal, die 39 Beiträge zusammen zu fassen, immerhin war es das drittstärkste Thema in diesem Forum je.

Der Drohnenpilot hat vermutlich mehrfach gegen bekannte und für den üblichen Betrieb ausreichend klare Regeln verstossen, indem er vermutlich innerhalb der 5km um einen Flplz und mit FPV geflogen ist, und dem Heli nicht ausgewichen ist. Dieses Verhalten schadet dem Ruf der Drohnennutzer. Er ist aufgrund der Vergehen zu bestrafen.

Der Schaden am Heli ist vermutlich beträchtlich. Die üblichen Versicherungsbedingungen für Drohnenbetreiber/-halter enthalten wesentliche Beschränkungen bei fehlbarem Verhalten sowie weiterem Kleingedruckten, sodass ein solchen Schaden nicht oder nur teilweise gedeckt werden könnte. Haftbar ist evtl. nicht nur der Pilot, sondern auch der Halter der Drohne.

DJI hat zumindest in der Schweiz die No-Fly Zones nicht in einer Weise umgesetzt (Datenbasis + Funktionalität), dass sich ein Drohnenpilot darauf verlassen könnte.

Aufgrund der Mindestflughöhen für bemannten Verkehr ausserhalb von Flugplätzen ist die Intensität von bemanntem Verkehr unterhalb von 150m über Grund zwar reduziert. Mit bemanntem Verkehr ist allerdings überall und in jeder Höhe zu rechnen.

Der Drohnenpilot muss den Luftraum um sich herum alleine und direkt (ohne Hilfsmittel, FPV) so überwachen können, damit er sicher fliegen und steuern kann. Dabei muss er bemanntem Verkehr frühzeitig ausweichen. Faktisch ist das see&avoid, und das ist bei handelsüblichen Drohnen kaum über mehr als 100-200m Distanz zuverlässig machbar, obschon schon weitaus grössere Distanzen bewilligt wurden. In dieser Aufgabe kann der Drohnenpilot sich weder auf Flugplätze noch Flugsicherung abstützen.

Die Regeln werden sich ändern. Hier sind etliche Klärungen und Veränderungen wünschbar. Ebenso sollten Versicherungspolicen und NFZ-Implementierungen praxistauglicher werden.

Herzlichen Gruss
Andrea Schlapbach
andrea@flarm.com

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Im Rahmen der Abklärungen im Zusammenhang mit Versicherungsleistungen habe ich die VLK 18 etwas genauer durchgelesen.

Da steht:

Art. 18 Haftpflichtversicherung

Die Haftpflichtansprüche von Dritten auf der Erde sind vom Halter oder von der Halterin durch eine Haftpflichtversicherung mit einer Garantiesumme von mindestens 1 Million Franken sicherzustellen.

Die Diskussion ist eröffnet:

  • Wo steht, dass der Pilot, wenn er nicht Halter ist, auch eine Haftpflicht braucht?

  • Wo ist eine Versicherungsvorschrift über Schäden durch Kollisionen in der Luft zu finden?

  • Oder ist es selbstredend, dass die Versicherung auch für Kollisionen in der Luft gelten muss?

Bazl:

Wer eine Drohne oder ein Flugmodell mit mehr als 500 Gramm Gewicht betreibt, muss für allfällige Schäden eine Haftpflichtdeckung im Umfang von mindestens 1 Million Franken gewährleisten.

Das heisst für mich ganz klar dass der Betreiber (also Halter und Pilot) oder Pilot (weil er die Drohne ja betreibt) eine Versicherung haben muss.

In der VLK selber könnte man darüber streiten ob der Pilot auch eine Versicherung braucht.

Wieder mal etwas klares was unklar ist. Wie bei so manchen Gesetzten.

Z.B. Darf ich über ein Fussballfeld fliegen wenn da 2 Mannschaften spielen, 1 Schiri und 2 Linienrichter, aber keine Zuschauer da sind? Das wären ja dann mehr als 24 Personen

Lieber Andrea
Da gibt es aber SWISS Piloten, die im Anflug auf Kloten problemlos eine Drohne erkennen (??) können.
Das bei 200 km/h und völlig unerwartet…!
Was so alles möglich ist.

Punkt 1: Nirgends, denn gemäss Luftfahrtgesetz Artikel 64 muss nur der Halter versichert sein. Der Pilot muss, solange er nicht der Halter ist, nicht extra versichert sein. Dies ist ein sehr weit verbreiteter Irrtum. Es wäre ja doof, wenn der Pilot eines Linienflugzeuges für die Versicherungsprämie seiner Boeing aufkommen müsste. Allerdings dürfte es bei den Drohnen halt oft der Fall sein, dass Pilot und Halter die selbe Person sind.
Punkt 2: Meines Erachtens wird dieser Fall über die Verschuldenshaftung gemäss Obligationenrecht Artikel 41 geregelt. Wer Schuld am Unfall ist, hat für den Schaden am anderen Luftfahrzeug zu bezahlen. In diesem Fall muss also der Pilot, nicht der Halter, den gesamten Schaden ersetzen, da er unerlaubt in der 5km Zone des Flughafens geflogen ist.
Punkt 3: Dies ist im Einzelfall zu klären, denn dies wird von Versicherung zu Versicherung unterschiedlich gehandhabt. Manche bezahlen es, manche nicht.

Ich mach mich mal wieder unbeliebt, und es passt auch nicht unter dieses Thema:

Es gibt m.W. kein rechtlich belastbares Dokument, welches eine Menschenansammlung mit 24 Personen gleichsetzt. Letzteres ist eine Interpretation der Rechtslage, welche das BAZL mal vorgenommen und schriftlich hinterlassen hat. Ob das nun gut ist (weil es klärt) oder schlecht (weil es eine liberale Welt mit Regeln füllt) oder Unsinn (weil der Einzelfall bestimmen muss), lasse ich mal hier stehen.

Viele Experten interpretieren die “Menschenansammlung” als 24 Personen, die so nahe zusammenstehen, dass sie sich mit ausgestreckten Armen berühren können. Das Publikum beim einem Konzert ist also nahe genug, um als Menschenansammlung zu gelten. Verstreute Menschen, die an einem Strand flanieren nicht. Ein Fussballspiel auch nicht.

Immer gilt SERA 3101: Luftfahrzeuge dürfen nicht in fahrlässig oder vorsätzlich riskanter Weise so betrieben werden, dass Menschenleben oder Sachen Dritter gefährdet werden.

Wer über einem Fussballspiel mit einer Drohne fliegt, sollte somit mit Vorteil die getroffenen Sicherheitsmassnahmen nachweisen können (Flugplanung, Flugtraining, Checklisten, Akkuüberwachung, Sicherheitspilot/Spotter, systematische Wartung, etc.), um bei einem allfälligen Unfall und Gerichtsverfahren glaubhaft darlegen zu können, dass er seine Drohne weder fahrlässig noch riskant betrieben hat, sondern schlicht das minimal verbleibende Restrisiko eingetroffen ist.

Fly safe and happy landings.

Hi Reto.

Danke für deine Info. Das mit den Konzertbesuchern verstehe ich. Das mit den Zuschauern z.B. bei einem Fussballspiel auch. Und das man keine Personen unnötig gefährden soll (Siehe Neymar. :wink: )ist mir auch klar. Mir geht es darum dass ich abschätzen kann wann es als Menschenansammlung gilt und wann nicht. Wenn ein Polizist mir sagt, das sei ganz klar eine Menschenmenge, dann möchte ich gerne argumentieren können dass es eben nicht so ist. Das sagt einem das BAZL leider nicht. Sie definieren irgendetwas ohne es zu definieren. Kommt mir vor wie der Bundesrat. Aktuellstes Beispiel Waffenexporte: Man darf Waffen in Konfliktländer liefern, aber diese Waffen dürfen in diesem Konflikt nicht verwendet werden… Meimeifinger!

Ich finde wenn man etwas definiert, dann soll man richtig machen.

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Grobe knappe Formulierungen wirken zwar weniger praktikabel und hinterlassen den Eindruck von Rechtsunsicherheit, aber sie erlauben viel mehr argumentativen Spielraum, und passen sich automatisch neuen Gegebenheiten an, in dem der Wille des Gesetzgebers ausreichend generisch formuliert wird. Das hat letztlich sehr viel Vorteile, und zwingt uns dazu mitzudenken statt nur zu befolgen.

Das maag sein, lieber Andrea.

Die Krux ist, wenn wir mitdenken, was ja die vielen Beiträge auch in der Vergangenheit zeigen, gehen unsere Gedanken nicht immer mit jenen der Vorschriften-ausgebenden Stelle gleich.

Es stand einmal geschrieben “mehrere Dutzend eng zusammenstehende Personen”.
Daraus wurde dann 24 abgeleitet, so wie es Reto geschrieben hat.
Ein Mathematiker interpretierte jedoch mehrere Dutzend mit minimal 36 Personen. Begründung: für 24 Personen hätte gesagt werden müssen zwei Dutzend.

Als Konsequenz solcher “offenen Vorschriften” und dem Mitdenken der Anwender resultieren oftmals rechtliche Streitereien unter Einsatz von Anwälten. (Im Volksmund sagt man ja nicht einfach so “Gummiparagraphen”)

Wenn sich eine Vorschrift automatisch den neuen Gegebenheiten anpasst, wann weiss ich dass sich diese den neuen Gegebenheiten angepasst hat und was wird als neue Gegebenheit betrachtet?
Der Gesetzgeber sagt nicht klar, was er will aber bei einem Ereignis (Kontrolle oder Unfall) weiss er es plötzlich sehr genau.
Bekommt der Betroffene bei solchen Vorschriften Gehör, wenn er den Spielraum aus seiner Sicht darstellt und geltend machen möchte?

Da sind mir eine verständlich definierte Ansage und klare Leitplanken offen gesagt lieber, als nicht genau zu wissen, was nun aktuell Sache ist.

Sorry Andrea und
liebe Grüsse

Peter

Bin ich der einzige der Erstaunt ist, dass es hier noch keinerlei Aktion von Seiten SUST gibt?

Zeitungsente, oder was?

Lieber Peter

Ich verstehe deine Argumentation vollends, jedoch ist der Ermessensspielraum in der Justiz Usus und auch von Nöten.
Der Andrea hat eine Seite beleuchtet: Ankläger, allfällige Nebenkläger und Verteidigung. Die dritte Seite ist aber der Richter, der den Ermessensspielraum aufgrund von Fakten sehr hart auslegen kann oder bei Fällen die klar scheinen, eine Milde walten lassen kann, aufgrund von Fakten zu Gunsten des Beklagten. Da entstehen dann Präzedenzfälle die referenziert werden können im Bedarfsfalle. Das erlaubt in unserem Rechtssystem Nuancen und nicht nur schwarz und weiss. Darum kennen wir ja auch in der zivilisierten Welt bedingte und unbedingte Strafen. Ein weiteres Werkzeug des Ermessensspielraums oder der Vorgeschichte des Beklagten. Ich weiss nicht Peter, ob du entweder Freispruch oder Rübe ab, so gut finden würdest. Ich hätte Mühe damit.
Der Umkehrschluss ist dann halt, dass zwischen den Leitplanken auch für den Richter, Platz geschaffen wird, um Justizia Genüge zu tun.

Gruss Dominique

Wie kommst du darauf, dass nichts passiert. Da läuft schon Einiges. Da solche laufenden Verfahren natürlich nicht öffentlich kommuniziert werden, wird dieses aufgrund der Kategorisierung am Schluss mit einem Abschlussbericht gewürdigt oder eben nicht. Zwischenstufen gibts da nicht. Unser “NTSB” wird den ausgefertigten Bericht dann wie üblich sehr prominent zur Einsicht freigeben.

Gruss Domi

Die Definition gibt es nach drei Gesichtspunkten die zueinander ergänzend sind:

Wenn in einer Menschenansammlung Menschen die sich zur Gruppe gesellen oder diese verlassen nicht mehr wahrgenommen werden, gilt Diese als Menschenmenge. Dies Aufgrund der Abstände zueinander, wodurch eine homogene Menge entsteht.

Deshalb:

Weiter ist darum eine Menschenmenge als Solche zu bewerten, wenn die Abstände der Individuen zueinander im Gefahrenfall für ein Ausweichen des einzelnen Individuums aufgrund der Platzverhältnisse nicht gegeben sind.

Deshalb:

Als ausreichende Platzverhältnisse die ein Ausweichen gestatten, gilt der individuelle, innerste private Bereich um eine Person, was heisst dessen Armlänge.

Diese Definitionen kommen auch zum Beispiel im Notstand oder der Notstandshilfe durch die Gerichtsbarkeit zur Anwendung, da es verschiedene Zonen um eine Person gibt um Übergriffe nach mittelbar oder unmittelbar zu klassifizieren. Dies jedoch nur nebenbei so eingestreut.

Bei der SUST gibt es sonst immer einen zeitnahen Avis, wenn eine Voruntersuchung eröffnet wurde. Hier gab es nichts.

Kein Eintrag bei SUST, oder ich hab ihn nicht gefunden. Auch sonst nach Monaten keine Infos.
Das ganze klingt immer mehr nach ner Ente.

Ja das ist korrekt und seltsam !