SUST Vorbericht - Absturz der kommerziellen Postdrohne im Zürichsee

Hoi zäme. Über Sinn und Unsinn über des Verfassers von diesen Vorbericht möchte ich mich nicht ausslassen. Was mich aber Interessiert ist folgendes:

  • Wie können diese 70 bewilligten Testflüge als VFR eingestuft werden bei einer aprox. Flugdistanz von 2,2 Km (Seeüberquerung)?
    Kann mich da jemand aufklären, oder weiss ich etwas nicht, dass Ihr wisst?
    Vielen Dank für Eure Bemühungen
    Gruss Urs

Der Vorbericht besagt eigentlich nur, dass die SUST aktiv geworden ist (und was zu irgendeiner Form eines umfangreicheren öffentlichen Berichts führen wird), was vorliegend nicht selbstverständlich ist. Insofern ist das eine gute Nachricht.

VFR heisst es deshalb, weil SUST in der bisherigen Welt einzig die Optionen IFR oder VFR hat. Weil IFR eine sehr genau definierte Sache ist (die deutlich weiter geht als “Blindflug mit Controller”), kann es nicht IFR sein, ergo ist es VFR. Was natürlich auch nicht stimmt.

Der Abschlussbericht liegt nun vor: https://www.sust.admin.ch/inhalte/AV-berichte/SUI-9909_D.pdf

Sehr spannend finde ich folgenden Satz im Bericht

Zwischenfälle von unbemannten Luftfahrzeugen auf Schweizer Hoheitsgebiet, die Personenschäden, eine erhebliche Beschädigung oder den Verlust des Luftfahrzeuges zur Folge hatten,
sowie Zwischenfälle, bei denen eines oder mehrere manntragende Luftfahrzeuge beteiligt waren (Kollisionen oder Fastkollisionen), müssen unverzüglich an die Meldestelle der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) gemeldet werden.

Bitte wo steht denn sowas? Davon höre ich das erste mal und ich dachte bisher ich sei gut informiert was die rechtliche Situation in der Schweiz angeht…

Das steht im Artikel 17 der “Verordnung über die Sicherheitsuntersuchung von Zwischenfällen im Verkehrswesen” (Kurz: VSZV).

“Zwischenfälle in der Zivilluftfahrt sind der Meldestelle unverzüglich durch folgende beteiligte Personen oder Stellen zu melden”.

Zu den beteiligten Personen und Stellen zählen unteranderem: Eigentümer/ Halter/ Steurer von Luftfahrzeugen, die Flugsicherung, usw. (Art. 17 lit. a bis i VSZV). Ein Zwischenfall wird gemäss VSZV durch Artikel 2 der EU-Verordnung 996/2010 definiert. Ein “Zwischenfall” ist grob gesagt gegeben, wenn:

  1. ein Luftfahrzeug zerstört wird. (z.B. Drohne abgestürzt)
  2. ein Luftfahrzeug vermisst wird. (z.B. Fly-away)
  3. eine Person tödlich oder schwer verletzt worden ist.
  4. eine hohe Unfallwahrscheinlichkeit bestanden hat. (z.B. Beinahe-Kollision mit Flugzeug)

Wichtig ist: Das gilt auch für Drohnen! Bedeutet konkret, wenn ihr mit eurer Drohne neben dem Flughafen Zürich aufsteigt und eine Kollision mit einem Flugzeug verursacht, müsst ihr das sofort der SUST melden.

Wenn man von diesen Bestimmungen noch nie etwas gehört hat, darf man sich aber keinen Vorwurf machen, nicht jeder kann alle Bestimmungen der Luftfahrt kennen. Es gibt so unzählig viele, die kann man einfach nicht alle kennen. Es gibt etwa 50 Verordnungen im Luftrecht, die VLK ist nur eine davon. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass man seinen gesunden Menschenverstand anwendet und offensichtlich dumme Ideen (wie das Flughafen-Beispiel) bleiben lässt und seinen Flug so sicher wie möglich gestaltet. Damit lassen sich Unfälle bestmöglich vermeiden und man kommt gar nie erst in die Situation, dass man etwas bei der SUST melden muss.

Bemerkenswert an dieser Stelle im Bericht ist allerdings der darauf folgende Absatz. Zitat:

“Für Drohnen bestehen gegenwärtig keine einheitlichen Kategorien und keine verbindlichen Regelungen. Im Hinblick auf den Zweck von Untersuchungen gemäss der VSZV erscheint es sinnvoll, wenn Zwischenfälle mit Drohnen, die über eine Betriebsbewilligung verfügen, sowie Zwischenfälle, bei denen Personen zu Schaden kamen, meldepflichtig sind.”

Was da steht ist so kreuzfaslch, da sträuben sich mir die Haare.

  1. Für Drohnen gibt es Kategorien (über und unter 30kg).
  2. Es gibt Regeln für den Betrieb! (Art. 17 VLK)
  3. Es gibt eine Meldepflicht für Zwischenfälle, siehe hierzu mein vorheriger Beitrag. Von der Meldepflicht sind nur Drachen, Gleitschirme, Fallschirme, Fesselballone und Ecolights befreit, nicht aber Drohnen! (Art 17. Abs. 2 VSZV)

Das finde ich eine “bemerkenswerte” Interperetation des Artikel 17 VSZV.
Diese Interpretation würde bedeuten das zb jeder Kopter oder jedes Modellflugzeug welches abstürzt oder verlohren geht gemeldet werden muss. Rechtlich um vom Gesetzt her gibt es nach wie vor keine Unterscheidung zwischen den einzelen Fluggeräten.

Im Artikel 17 steht konkret:

Art. 17 Zivilluftfahrt: Meldepflicht

1 Zwischenfälle in der Zivilluftfahrt sind der Meldestelle unverzüglich durch folgende beteiligte Personen oder Stellen zu melden:

a.
die Eigentümerinnen und Eigentümer der Luftfahrzeuge;
b.
die Halterinnen und Halter der Luftfahrzeuge;
c.
die Flugbetriebsunternehmen;
d.
das Luftfahrtpersonal;
e.
die Organe der Flugsicherung;
f.
die Flugplatzhalterinnen und -halter;
g.
die Polizeidienststellen;
h.
die Zollorgane;
i.
das Bundesamt für Zivilluftfahrt.

2 Zwischenfälle von Ultraleichtflugzeugen, Hängegleitern, Fallschirmen, Drachen, Drachenfallschirmen und Fesselballonen sind nicht zu melden.

Diese Verordnung ist von Anfang 2015 und bezeiht sich kaum auf Modellflug nach der damaligen Gesetztesgrundlage.

Dzu der entsprechende Artikel 2 der EU-Verordnung:


Unfall“ ein Ereignis beim Betrieb eines Luftfahrzeugs, das sich im Fall eines bemannten Luftfahrzeugs zwischen dem Zeitpunkt des Anbordgehens von Personen mit Flugabsicht und dem Zeitpunkt, zu dem alle diese Personen das Luft­fahrzeug wieder verlassen haben, oder im Fall eines unbe­mannten Luftfahrzeugs zwischen dem Zeitpunkt, zu dem das Luftfahrzeug für Bewegungen zum Zweck des Flugs bereit ist, und dem Zeitpunkt, zu dem es bei Beendigung des Flugs zur Ruhe kommt und das primäre Antriebssystem abgeschaltet wird…

Es wird hier ganz klar auf die bemannte Luftfahrt verwiesen.

Sehr interessanter Bericht. Es kommt eine alte Erkenntnis zum Vorschein: 90% der Versagen in elektrotechnischen Systemen sind fehlerhafte Steckverbindungen.

Überraschend ist aus meiner Sicht, dass in der abgestürzten Drohne offenbar nur ein GPS Empfänger eingebaut war. Erst jetzt, nach dem Unfall, wurde ein Zweiter nachgerüstet. Ich hoffe, dass die Drohne nun ein besseres Redundanzkonzept aufweist. Dies nicht nur bezüglich GPS Empfänger, sondern auch aller anderer flugkritischen Komponenten.

Ich denke schon, dass meine Interpretation korrekt ist, denn wie in dem von dir zitierten Artikel 2 der EU-Verordnung wird ja explizit definiert, was ein Unfall bei einem unbemannten Luftfahrzeug ist. Dementsprechend ist meine Interpretation denke ich korrekt. Wenn deine Drohne abstürzt und einen Totalschaden erleidet, ist dieses Ereignis meldepflichtig bei der SUST.

Und wie du ebenfalls zitierst, fällt die Drohne nicht unter die Ausnahmen von Art. 17 Abs. 2 VSVZ. Gut möglich, dass der Gesetzgeber da was vergessen hat, Fakt ist aber zurzeit: Zwischenfälle mit Drohnen sind meldepflichtig.

Das in der Verordung SVZV “Drohne” nicht als Ausnahme definiert ist leigt daran das der Begriff zu der Zeit zumindest in der Politik nicht gebrächlich war. Wund weiter müsste nach deiner Ansicht jeder absturz eines Modellflugzeuges ebenfalls gemeldet werden. Ist das ernsthaft deine Ansicht? Es macht definitiv keine Sinn das ein Unfall mit einem Ultraleichtflugzeug nicht gemeldet werden muss, aber wenn ein Phantom in einem Baum landet soll man das melden?!?

Es gilt zu differenzieren zwischen Sinnhaftigkeit und Recht. Nach aktuellem Recht ist es so, Zwischenfälle müssen gemeldet werden. Das ist ein Fakt.
Dass das Sinnvoll ist, habe ich nie behauptet. Ich finde es gar völlig sinnlos, dass jeder Unfall gemeldet werden soll. Bei einem Fly-Away mag das vielleicht sinnvoll sein, das zu melden, da man keine Ahnung hat was mit der Drohne passiert ist. Aber wenn ich meine Drohne im Zürichsee versenke, werde ich das ganz bestimmt nicht melden, was soll das auch nützen?

Die Post nimmt die Drohnenflüge wieder auf: