Meldepflicht bei Drohnenunfällen

Vorfälle mit Personen- oder Sachschaden sowie dem Verlust des Luftfahrzeuges sind dem BAZL (Schweiz) mit dem „Occurrence Report Form“ unter: www.aviationreporting.eu , sowie der zuständigen Polizei zu melden.

Weiss jemand genau, welche Unfälle gemeldet werden müssen (Bitte keine Mutmassungen und privaten Einschätzungen im stile von: “Ist doch blödsinn, ich melde sicher nicht, wenn meine Drohne abstürzt” etc!
Ich kenne auch diese Definition:

Welche Vorfälle muss ich dem BAZL oder dem BFU melden?

Unfälle und schwere Vorfälle müssen über die Alarmzentrale der REGA (Te. 1414) dem Büro für Flugunfalluntersuchung (BFU) gemeldet werden.

Die Definitionen, bei welchen Ereignissen es sich um einen Unfall oder einen schweren Vorfall handelt, sind im Handbuch der Schweizerischen Luftfahrt (AIP ENR 1.14) aufgeführt.

Andere Vorfälle und besondere Vorkommnisse, welche die Flugsicherheit beeinträchtigen oder beeinträchtigen können, sind dem Bundesamt für Zivilluftfahrt zu melden.

Dieses Thema ist sicher wichtig für alle Drohnisten, danke also für Sachdienliche Hinweise!
Wolf

Dieses Thema wurde unter dem Tread

https://forum.drohnenverband.ch/t/sust-vorbericht-absturz-der-kommerziellen-postdrohne-im-zuerichsee/2884/2

Auch behandelt.

Siehe hierzu:

Danke Peter für den Hinweis, ist eine sehr interessante Diskussion und wie erwartet sehr kontrovers!
Inzwischen sind doch einige Regelungen betreffend Drohnen RPAS UAV oder was auch immer getroffen worden. Spannend ist, dass sich in dieser Hinsicht (Meldepflicht) nicht wirklich was getan zu haben scheint. Auch in den neuen EASA-Richtlinien habe ich nichts gefunden; oder habe ich da was übersehen?

Wieso sollte sich auch etwas tun? Ich war damals bei der Recherche selbst überrachst, welches Ausmass die Meldepflicht hat.

Ich habe das mal mit dem Rechtsdienst des BAZL geklärt. Auszug aus der Antwort: “Die Pflicht zur Meldung beschränkt sich derzeit auf bewilligungspflichtige Flüge, weil das Meldewesen in einer Bestimmung der Bewilligung des BAZL erwähnt wird.”

Somit ist das bisher für das gros der Drohnen nicht anwendbar.

Aus dieser EU-Verordnung interpretiere ich gemäss Art2:

Art. 3 Zwischenfälle

Als Zwischenfälle gelten:
b. in der Zivilluftfahrt: Unfälle und Störungen nach Artikel 2 der Verordnung (EU) Nr. 996/2010;
Und da im Art. 2: (Alles klar über manntragende Luftfahrzeuge ausser vielleicht:)
c) das Luftfahrzeug vermisst wird oder völlig unzugänglich ist;
Im Falle der Maternet-Drohne zutreffend, aber nicht immer bei einem FlyAway, wenn die Drohne aufgefunden wird.
Und unter Punkt 7 heisst es:

7. „Störung“ ein Ereignis außer einem Unfall, das mit dem Betrieb eines Luftfahrzeugs zusammenhängt und den siche­ren Betrieb beeinträchtigt oder beeinträchtigen könnte;
Das könnte dann wiederum fast alles sein was ungeplant war.
Aber im Anhang, wo die "schweren Störungen beispielhaft aufgeführt sind, käme für Drohnen eigentlich nur Folgender Punkt in Frage:

— Fastzusammenstoß, bei dem ein Ausweichmanöver erforderlich war oder eine gefährliche Situation eingetreten ist oder ein Ausweichmanöver angemessen gewesen wäre;
Was ja Sinn macht.

Nichts desto Trotz: Für die Mehrheit der Drohnisten wäre eine klare Regelung seitens des BAZL wahrscheinlich mehr als willkommen! Ich glaube nämlich nicht, dass die SUSTinteressiert ist, von Drohnencrashes “eingedeckt” zu werden.

Was ganz klar zu sein scheint, ist Meldepflicht wenn:

  1. Personen oder Tiere verletzt oder gar getötet werden
  2. Infrastruktur beschädigt wird
  3. Sachschaden über einen Bagatellschaden hinaus entsteht
  4. Andere Luftfahrzeuge beteiligt sind
  5. Eine Luftraumverletzung stattgefunden hat
  6. Ein Ereignis aufgrund Medikamenten- Drogen- oder Alkoholeinfluss stattgefunden hat
  7. Lizenzbedingungen oder Bewilligungsauflagen nicht eingehalten wurden

Die tops4u-Antwort kam gleich herein, deshalb breche ich meine Überlegungen hier ab.

Danke für Deine Bemühungen; das ist natürlich eine enorm wichtige Information. Könntest Du (vielleicht in Rücksprache mit BAZL) hier die ganze Antwort einstellen?
Danke nochmals.
Wolf

Leider falsch, das ist ein weit verbreiteter Irrglaube bezüglich Drohnen. Im Artikel 1 Absatz 2 des Luftfahrtgesetzes steht:

“Als Luftfahrzeuge gelten Fluggeräte, die sich durch Einwirkungen der Luft, jedoch ohne die Wirkung von Luft gegen den Boden (Luftkissenfahrzeuge), in der Atmosphäre halten können.”

Das trifft auf Drohnen zweifelsfrei zu. Durch die drehenden Porpeller wird Luft verdrängt, dadurch entsteht eine nach oben gerichtete Kraft und die Drohne kann sich in der Atmosphäre halten.
Wenn Drohnen keine Luftfahrzeuge wären, hätte das sehr unangenehme Folgen. Z.B. würden Drohnen einem totalen Flugverbot unterliegen, da nur Luftfahrzeuge zum Luftverkehr zugelassen sind (Art. 2 LFG).

Ch-Rechtslage ist doch gem. VLK Art.7 völlig klar: Drohnen sind unbemannte Luftfahrzeuge - oder verstehe ich da etwas völlig falsch?

Das halte ich, gelinde gesagt, für eine sehr interessante Interpretation der Rechtslage. Im Artikel 1 der VSZV wird der Geltungsbereich geregelt. Dort steht, dass die VSZV für die Zivilluftfahrt in der Schweiz gilt. Das inkludiert auch Drohnen.
Im Artikel 17 Absatz 2 stehen dann die Ausnahmen, für die die Verordnung nicht gilt, auch wenn sie zur Zivilluftfahrt gehören. Aufgelistet sind: Ultraleichtflugzeuge, Hängegleiter, Fallschirme, Drachen, Drachenfallschirme und Fesselballone.

Damit ist für mich relativ klar, dass die Meldepflicht sich auch auf Drohnen erstreckt. Allerdings halte ich diese Regelung für dringend zu reformieren. Es wäre sinnvoller eine Art “Meldepflicht light” einzuführen, bei der Drohnisten nur besonders schwere Vorfälle melden müssen (z.B. Person tödlich verletzt durch Absturtz).

Geneu richtig. Logischerweise sind alle unbemannten Luftfahrzeuge auch Luftfahrzeuge.